Das Zweinutzungshuhn

Hühner von heute sind hoch spezialisiert. Beinahe ausnahmslos kaufen Landwirte Küken aus sogenannten Hochleistungs-Hybridlinien. Damit erhalten sie Tiere, die zuverlässig 300 Eier im Jahr legen, oder sich binnen sechs Wochen schlachtreif mästen lassen.

Ein halbes Dutzend Großkonzerne machen das weltweite Geflügelgeschäft  unter sich aus. Spezielle Linien für Biobauern oder gar Zweinutzungshühner zu züchten liegt bisher nicht in ihrem Interesse.

Die Entwicklung bei Geflügel trotz der immensen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln erscheint paradox und mit dem Bio-Gedanken ist diese Praxis nur sehr schlecht vereinbar.

Biobauern würden gerne ein Huhn züchten, das sowohl viele Eier legt als auch ordentlich Fleisch ansetzt. Der Gedanke ist nicht neu. Früher auf den Höfen legten die Hennen jahrelang Eier und ihre Brüder landeten, sobald sie ausgewachsen waren, auf dem Grill. Seitdem es spezielle Lege- und Fleischrassen gibt, werden jährlich Millionen an männlichen Küken aussortiert und getötet. Das ist auch in ökologisch wirtschaftenden Betrieben so – zumindest in den größeren. Eine Praxis, die weder ethisch, noch wirtschaftlich, noch ökologisch vertretbar ist.

Wyandotten_235088_R_K_B_by_Helmut-J.-Salzer_pixelio.deRückkehr zur Zweinutzung

Seit einiger Zeit versucht die Biobranche eine Rückkehr zu den Wurzeln der Hühnerzucht; zu einem Huhn, bei dem die Männchen genügend Fleisch geben und die Weibchen genügend Eier legen. Das sogenannte Zweinutzungshuhn.

Biozüchter arbeiten deshalb daran, eine Hühnerrasse zu entwickeln, bei der auch die männlichen Tiere in der Mast verwendet werden können – ein Zweinutzungshuhn sozusagen.

Allerdings: Solch ein Huhn wird wohl nie so viel ansetzen wie ein reines Masthuhn und auch nicht so viele Eier legen wie ein Legehuhn. Das bedeutet, die Verbraucher müssten diesen kükenfreundlichen Weg mitgehen und bereit sein, höhere Preise zu zahlen.

Foto: © Helmut J. Salzer / PIXELIO