Wovon die meisten Hühner nur träumen

Glücklich müsse ein Huhn gewesen sein, so preist die Werbung, nur dann schmeckten die Eier. Hühnerfarmer und Hähnchenmäster beteuern aber immer wieder, dass sie sich die "Landidylle" nicht leisten könnten, da der Verbraucher billige Eier und Hühnerfleisch haben wolle.

Das Kuriose: Der Verbraucher hält trotzdem weiter fest am Bild der bäuerlichen Idylle. Die bunten Werbebilder auf den Produkten zeigen meist glücklich pickende Hühner auf einem Bauernhof oder in goldenem Stroh. Das grenzt an Verbrauchertäuschung, denn die Realität sieht für die meisten Hühner anders aus. Sie fristen ein trostloses Dasein in Bodenhaltung oder in den neuen, etwas modifizierten Hennenkäfigen ("Kleingruppenhaltung").

Aber glücklicherweise gibt es noch Betriebe, auf denen Hühner glücklich sein können, weil sie artgemäß gehalten werden. Mit anderen Worten, sie können das tun, was sie tun müssen, nämlich wie alle Lebewesen dieser Welt ihre angeborenen Bedürfnisse ausleben. Angeborenes Verhalten lässt sich nicht unterdrücken. Auch wenn ein Huhn niemals in seinem Leben ein Sonnenbad genommen hat, verspürt es trotzdem das Bedürfnis nach hellem, warmen Tageslicht. Und solche unterdrückten Bedürfnisse werden umso drängender, je weniger sie befriedigt werden.

Unerlässlich für das Wohlbefinden von Hühnern sind das Baden im Sand, das Sonnen, die selbstständige Futtersuche und der Kontakt zu Artgenossen. Keines dieser Bedürfnisse kann in der Boden- oder Kleingruppenhaltung ausgelebt werden. Sogar der wichtige Kontakt zu den Artgenossen wird unter den industriellen Haltungsbediungen zur Qual, da die Tiere ihre Individualdistanz nicht einhalten können und ihre haltungsbedingten Frustrationen aneinander auslassen. Federpicken bis hin zum Kannibalismus sind die üble Folge.

In der sogenannten "Kleingruppenhaltung" im Käfig, der Volierenhaltung und der Bodenhaltung wird versucht, den Ansprüchen der Tiere durch Scharrräume oder Sandbäder (einem Stück Kunstrasen) gerecht zu werden. Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, doch von artgerechter Haltung sind diese Haltungssysteme immer noch weit entfernt. Das liegt nicht zuletzt an der drangvollen Enge, in der die Tiere zusammengepfercht werden. Die neuen Kleingruppenkäfige sind im Vergleich zu den inzwischen verbotenen konventionellen Käfigen, zwar größer. Dafür darf der Landwirt aber auch bis zu 60 Tiere in einen Käfig quetschen.

Sogar ein Ökosiegel auf der Eierpackung oder dem Broiler gewährleistet keine  Garantie für eine artgerechte Haltung der Hühner. In der ökologischen Hähnchenhaltung werden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die selben Masthybriden genutzt, wie in der konventionellen Landwirtschaft. Diese vertragen aber wegen ihrer angezüchteten extrem hohen täglichen Zunahmen die längere Mastdauer im Ökolandbau nicht. Zum Ende der Mastperiode sind die Brustmuskeln der Tiere so schwer, dass sie nur mehr mit Liegebeulen an der Brust am Boden liegen und sich kaum noch bewegen können.

Wer also sichergehen will, dass seine Geflügelprodukte aus art- und tiergerechter Haltung kommen, sollte prüfen, ob er nicht selbst die Möglichkeit zur Hühnerhaltung hat. Alternativ kann man oft auch Eier von Kleinbauern aus der Umgebung kaufen oder sich sogar welche auf Bestellung liefern lassen.

Die Hühner werden es ihnen danken.