Woher kommt das Ei?

Wie werden Legehennen eigentlich heutzutage gehalten? Diese Frage können die wenigsten Verbraucher aus dem Stehgreif beantworten. Die wichtigsten Informationen zu den gängigen Haltungssystemen soll deshalb die folgende Übersicht liefern.

Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Haltungssysteme für Legehennen:

  1. Kleingruppenhaltung (Ziffer 3 auf dem Ei)

  2. Bodenhaltung (Ziffer 2 auf dem Ei)

  3. Freilandhaltung (Ziffer 1 auf dem Ei)

  4. Biohaltung (Ziffer 0 auf dem Ei)

1. Die Kleingruppenhaltung

ist die neue Form der Käfighaltung. Dabei wurden die Käfige zwar vergrößert und mit Gestaltungselementen wie Sitzstangen und Legenestern ausgestattet, dafür dürfen aber auch mehr Hühner in einen Käfig gestopft werden. Je nach Ausführung passen 20 bis 60 Hennen in den "ausgestalteten Käfig", wie der Käfig im Fachjargon genannt wird. Jedes Tier hat dann statt der früher üblichen 550 cm² 750 cm² zur Verfügung. 

Um sich ein mal um sich selbst drehen zu können benötigt ein Huhn mindestens 1300 cm² Platz. 750 cm² sind also immer noch alles andere als tiergerecht. Auch die Käfighöhe von 50 cm reicht nicht zum Strecken und Flügelschlagen aus. Die Tiere können ihren Körper also niemals auseinanderfalten.Kleingruppenhaltung_Iris-Weiland

Der ausgestaltete Käfig beinhaltet Sitzstangen (pro Huhn 15 cm Platz), ein abgedunkeltes Legenest, einen Futtertrog und ein Sandbad. Das Sandbad besteht aus einer Kunstrasenmatte, auf die Sand oder Sägespäne gestreut werden. 

Da auch die Haltung von Legehennen in Kleingruppen Tierquälerei ist, beschloss der Bundesrat am 6. November 2015, dass die Haltung von Legehennen in Kleingruppen beendet werden soll. Bestehende Betriebe haben eine Auslauffrist bis zum Ende des Jahres 2025. In der restlichen EU gilt dieses Verbot allerdings nicht, daher Vorsicht bei importierten Eiern!

2. Die Bodenhaltung

war vor Einführung der Käfighaltung die am weitesten verbreitete Art der Legehennenhaltung. Nach dem Verbot der Käfighaltung gewinnt sie wieder zunehmend an Bedeutung, da Eier aus Haltungssystemen ohne Käfig inzwischen immer öfter gekauft werden.

Hühnern in Bodenhaltung stehen 3 Funktionsbereiche zur Verfügung: Das Legenest in der Mitte, dann den Abkotebereich (ein Gitter, unter dem sich die Kotgrube befindet) und den Scharrraum. Der Scharrraum muss mindestens 1/3 der gesamten Stallfläche einnehmen und eingestreut sein, damit die Hühner ihr Bedürfnis nach eigenständiger Nahrungssuche befriedigen können.

Die Tränke und die Fütterung sind über der Kotgrube angebracht, damit die Tiere nicht ins Legenest Bodenhaltung_Stefan-Johnigk_IMG_0066koten. Auch die Sitzstangen befinden sich dort. Jedes Huhn hat 15 cm Platz auf der Sitzstange.

Im Legenest steht für 120 Hühner 1 m² Nestfläche zur Verfügung. Die Tiere legen die Eier auf einem Stück Kunstrasen, von wo sie automatisch von einem Föderband abtransportiert werden.

Insgesamt müssen in der Bodenhaltung neun Hühner auf 1 m² leben. Das sind neun Hühner auf der Größe der Grundfläche einer Telefonzelle.

 

3. In der Freilandhaltung

kommt zum Stall mit Bodenhaltung noch ein Auslauf unter freiem Himmel dazu. Jedem Huhn stehen 4 m² Auslauf zur Verfügung, der den ganzen Tag über nutzbar ist. Leider ist nirgends vorgeschrieben, wie der Auslauf gestaltet sein muss. Da Hühner oft von Greifvögeln attackiert werden ist ein Schutz von oben immens wichtig für ihr Sicherheitsgefühl. Dafür bieten sich Büsche und Bäume als kostengünstigste Lösung an. Viele Landwirte scheuen aber die Kosten und die Arbeit für die Auslaufgestaltung und verzichten auf die Schutzelemente, da sie die 1 für Freilandhaltung trotzdem aufs Ei drucken können. Auch wenn die Hühner aus Angst vor dem Habicht keinen Schritt aus dem Stall heraus wagen.

Zwei mal im Jahr werden unangemeldete Kontrollen durchgeführt, bei denen darauf geachtet wird, ob die Hühner draußen sind, oder nicht. Sind die Hühner auch beim zweiten mal im Stall kann dem Betrieb die Freilandklassifizierung aberkannt und er kann auf Bodenhaltung zurückgestuft werden. Diese Sanktionierung wird man in der Praxis aber höchst selten anwenden.

Auch wurden Legehybdride in den letzten Jahrzehnten nur auf Leistung gezüchtet, die sie in voll Freilandhaltung_IMG_0013_Johnigkklimatisierten Käfigen bringen sollten und konnten. Den  Belastungen, die Freilandhaltung unter Umständen mit sich bringt (Nässe, Kälte) sind diese Hühner nicht mehr gewachsen. Werden aus wirtschaftlichen Gründen trotzdem die normalen Legehybriden ins Freiland gesetzt, werden sie relativ oft krank.

Darum gilt: Obwohl die Freilandhaltung für die Hühner schon um einiges besser ist, als die Kleingruppen- oder Bodenhaltung, muss sie doch nich automatisch artgerecht sein.

 

4. In der Biohaltung

sind die Anforderungen an die Haltungsbedingungen je nach dem Erzeugerverband, dem der Bauer angehört, unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass sie sich mindestens an die EG-Öko Verordnung halten müssen. Darin ist zum Beispiel geregelt, dass höchstens sechs Hennen auf einem m² leben dürfen, dass 4 m² Auslauffläche vorhanden sein müssen, und dass jede Henne mindestens 18 cm Platz auf den Sitzstangen haben muss. In der Biohaltung ist nur die Freilandhaltung in Form von Bodenhaltung mit Auslauf oder Volierenhaltung mit Auslauf gestattet. Die Voliere ist eine relativ selten genutzte Form der Bodenhaltung mit mehrstöckigen Gestaltungselementen im Stall.

Hennen, die Bioeier legen sollen, müssen mit Biofutter gefüttert werden. Dieses kommt vorzugsweise noch aus dem selben Betrieb.

Die einzelnen Bioverbände, wie zum Beispiel Bioland, Biopark, Naturland oder Demeter verschärfen die Vorgaben durch die EG-Öko Verordnung noch in unterschiedlicher Weise.

Die Biohaltung ist die artgerechteste Form der industriellen Legehennenhaltung. Doch auch hier ist die Auslaufgestaltung mit Schutzelementen nicht grundsätzlich vorgeschrieben. Diese wird nur von einzelnen Verbänden vorgeschrieben.

Wer also Eier aus artgerechter Haltung kaufen möchte, trifft grundsätzlich mit Freiland- oder Bioeiern eine gute Wahl. Wobei man sich immer bewusst sein muss, dass die Haltung der Hennen in Wirklichkeit vielleicht doch nicht so gut ist, wie die Nummer auf dem Ei suggeriert. Besser als Kleingruppen- oder Bodenhaltungseier sind sie aber allemal.

Die einfachste und spannendste Art Eier aus garantiert artgerechter Haltung zu essen ist aber immer noch die sachkundige Haltung von Hühnern auf dem eigenen Hof.

Fotos: © PROVIEH