Winterleger - welche Auswahl gibt es?

Jeden Tag ein frisches Ei

 

Wer eigene Hühner hält, der wünscht sich auch im Winter frische Eier – mit Winterlegern ist dieses möglich. Es gibt einige Hühnerrassen, die das ganze Jahr über Eier legen, wenn sie täglich ihr Futter erhalten. Bei Winterlegern gibt es, wie bei Hühnerrassen im Allgemeinen, große Unterschiede. Das wirft für viele die Frage auf: „Welche Winterleger sind für den eigenen Garten die richtigen?“

Es gibt verschiedene ausschlaggebende Kriterien für die Wahl der Winterleger:

  • Legeleistung
  • Betonung auf Legehuhn oder Zwiehuhn?
  • Futterverwertung
  • Flugfähigkeit
  • Empfindlichkeit
  • Ansprüche an den Halter
  • gefallen einem die Hühner?

Zu praktisch jeder Rasse können über den Versand Bruteier beschafft werden, die bei einem örtlichen Hühnerhalter auf Anfrage mit Glück in der Brutmaschine oder unter der Leihhenne ausgebrütet werden können. Oft finden sich auch Halter der Rasse in der Umgebung, auf jeden Fall können fast immer die gewählten Rassen beschaffen werden. Falsch wäre es, einfach zu einem Hühnerzüchter zu fahren und zu nehmen, was zu haben ist. Richtig wäre, sich verschiedene Winterleger einmal näher anzuschauen und sich gezielt zu entscheiden.

Faustformeln, die auf Legehennen angewendet werden können:

 

  • Je schwerer das Huhn, um so mehr Futterbedarf hat es im Schnitt pro Ei
  • Knochige Hühnerrassen taugen nicht für den Suppentopf
  • Schwere Rassen sind gemütlicher, laufen nicht so weit und können nicht so hoch fliegen
  • Überzüchtete Hühnerrassen oder überwiegende Ausstellungsrassen eignen sich weniger als produktive Legehennen
  • robustere Hühner machen weniger Arbeit
  • leichte Zwiehühner mit hoher Legeleistung verwerten das Futter am effektivsten

Im Folgenden werden einige Winterleger mit einer Kurzbeschreibung vorgestellt. Je nach persönlichem Bedürfnis ist nicht für jeden die gleiche Rasse die beste Wahl. Die Reihenfolge geht nach Gewicht.

 

Rheinländer

 

Diese alte und gefährdete Hühnerrasse entstand um 1894 in der Eifel und wurde mit späteren Einkreuzungen auf robuste Eigenschaften und eine hohe Legeleistung optimiert. Die vitalen Tiere mit Erbsenkamm sind aktiv, können sehr zutraulich werden, können hoch fliegen, machen das jedoch nur ungerne. Damit reicht ein mittelhoher Hühnerzaun im Normalfall bereits aus. Rheinländer sind Winterleger, die einen kastenförmigen Körper haben, die schnell heran wachsen und die in die Linie der Landhühner gehören. Wer seine Hühner nicht direkt oder sogar gar nicht als Tafelhuhn verwerten will, der profitiert von der Legeleistung, die über Jahre hoch bleibt. Rheinländer legen selbst im Winter zuverlässig. Die Hennen werden 1,7 bis 2,5 Kilogramm schwer, die Hähne erreichen 2 bis 2,7 Kilogramm. Die Hennen legen 180 Eier mit 55 Gramm, sie werden nur selten brütig.

 

Sundheimer

 

Sundheimer sind gute Winterleger und eignen sich zugleich für die Mast. Sie wurden ursprünglich in Sundheim am Rhein um 1886 für die Mast erzüchtet, später wurde an der Legeleistung gearbeitet. Die inzwischen gefährdeten Sundheimer sind ruhig, friedlich und robust. Es wurde bislang nur der schwarz-weiß-columbia Farbschlag in Deutschland anerkannt. In die Zucht flossen Landhühner und asiatische Schläge ein. Die Hühner haben einen Stehkamm. Sundheimer gelten als Nichtflieger, womit bereits ein relativ niedriger Hühnerzaun von einem Meter Höhe für den Freilauf genügt. Diese Hühnerrasse wird bei entsprechender Pflege sehr schnell zutraulich. Sundheimer sind nicht allein zuverlässige Winterleger, sie sind zugleich schnellwüchsig, wie es für Fleischhühner gefordert wird. Diese Zwiehühner haben Federfüße, weshalb beim Auslauf auf trockenen Grund zu achten ist. Hühner werden 2 bis 2,5 Kilogramm schwer, Hähne erreichen ein Gewischt von 3 bis 4,5 Kilogramm. Die Hennen legen bis 220 Eier mit einem Gewicht von 55 Gramm im ersten Legejahr und geraten selten in Brutstimmung.

 

Ramelsloher

 

Ramelsloher sind lang gestreckte Landhühner mit mehrfach gezacktem mittelgroßen Stehkamm, die ihren Ursprung in Hamburg finden und heute als gefährdet gelten. Die robusten Zwiehühner können schnell zutraulich werden, es gibt sie in weiß und gelb. Jungvögel fliegen gerne, die adulten Ramelsloher bleiben jedoch in Bodennähe, womit kein sehr hoher Hühnerzaun nötig wäre. Die Hennen werden nur selten brütig und kommen auf 2 bis 2,5 Kilogramm, die Hähne auf 2,5 bis 3 Kilogramm. Diese Winterleger schaffen im Jahr 170 Eier mit rund 55 Gramm Gewicht im ersten Legejahr und eignen sich zugleich als Tafelhuhn.

 

Welsumer

 

Die schwere Rasse mit mittelgroßem Stehkamm stammt aus den Niederlanden; die Ausgangsrassen können nicht exakt geklärt werden. Um 1850 wurden in Welsum rasselose Hühner mit Landhühnern und asiatischen Schlägen vermischt. Welsumer legen im Winter, aber mit weniger Leistung. Es sind im gesamten Jahr etwa 160 Eier, die rund 70 Gramm schwer werden, womit dieses schwere Zwiehuhn wieder interessant wird. Die Hennen werden fast nie brütig, können aber leider relativ gut fliegen. Wer sie nicht gänzlich frei laufen lassen kann, der muss einen bis über zwei Meter hohen Zaun in Kauf nehmen. Wäre die Stallung groß genug, könnten Welsumer selbst ohne Freilauf gehalten werden, etwas Auslauf wäre dennoch besser. Die sehr robusten Winterleger sind friedlich. Die Hennen erreichen 2 bis 2,5 Kilogramm, die Hähne 3 bis 3,5 Kilogramm. Wer konstant viele Eier im Winter wünscht, wählt eine andere Rasse.

 

Plymouth Rock

 

Diese schwere Hühnerrasse mit Einfachkamm wurde um 1850 in den USA erzüchtet und nach der Heimatstadt Plymouth benannt. Es flossen schwere asiatische Schläge ein, womit die Hühner ruhig sind und keine hohen Zäune überwinden können. Es handelt sich in den USA wohl um die bekannteste Hühnerrasse überhaupt, die neben vielen Eiern auch ein sehr gutes Tafelhuhn hergibt. Die Hennen kommen auf 2,5 bis 3 Kilogramm, die Hähne auf 3 bis 3,5 Kilogramm Körpergewicht. Die Hennen legen 180 Eier mit rund 55 Gramm im ersten vollen Legejahr. Sie legen auch im Winter zuverlässig. Nur selten geraten die Hennen in Brutstimmung. Diese Hühnerrasse gilt als sehr robust.

 

Deutsches Lachshuhn

 

Das Deutsche Lachshuhn wurde um 1915 aus den französischen Faverolles, beziehungsweise den in England gezüchteten Faverolles erzüchtet. Dieses Faverolles ist ein in Frankreich erzüchtetes Fleischhuhn, welches als Deutsches Lachshuhn zugleich gut legt, auch im Winter. In die schweren Hühner flossen einige asiatische Schläge. Wer großen Wert auf ein schmackhaftes Tafelhuhn legt, der hat mit dem Deutschen Lachshuhn zugleich beim Rupfen wenig Arbeit. Weiterhin gelten diese Winterleger als Nichtflieger, für die ein Zaun von nur einem Meter bereits genügt. Die Hennen brüten nie. Die Eier sollen nicht bei 37,8, sondern bei 37,6° Celsius in die Brutmaschine, dafür jedoch einen Tag länger. Die Hennen werden 2,5 bis 3,25 Kilogramm, die Hähne 3 bis 4 Kilogramm schwer. Die Legeleistung liegt bei 160 Eiern im Jahr mit rund 60 Gramm. Das Deutsche Lachshuhn hat Federn an der Außenzehe und profitiert von trockenem Grund. Die selten gewordenen Tiere mit kleinem Stehkamm sind friedlich und werden schnell zahm.

 

Orpington

 

Das Orpington stammt vom Orpingtonhouse aus England und wurde von William Cook um 1886 als Ausstellungshuhn erzüchtet. Die genetischen Ahnen finden sich teils in Europa, teils in Asien. Die Orpington Henne legt bis zu 180 Eier im Jahr, die auf rund 53 Gramm kommen. Die Hennen wiegen 3 bis 3,5 Kilogramm, die Hähne 4 bis 4,5 Kilogramm. Diese schweren Hühner wachsen schnell, womit ihr Schwerpunkt beim Tafelhuhn liegt. Orpingtons brüten gut und zuverlässig. Die Hühner wirken wie ein runder Federball, sie heben sich mit ihren Füßen gerade vom Boden ab. Es gibt sie mit mittelgroßem Stehkamm oder Rosenkamm. In Deutschland ist der gelbe Farbschlag häufig anzutreffen. Orpingtos kommen kaum vom Boden weg, ein Hühnerzaun von einem guten Meter reicht bereits. Diese friedlichen Hühner werden schnell zutraulich und sind leicht zu halten und gelten in Deutschland als selten.

 

 

Brahma

 

Möglicherweise wurden aus Asien stammende Brahma Hühner um 1850 in den USA nur weiter gezüchtet. Diese schweren Hühner mit Erbsenkamm fliegen nicht, können aber bis 1,5 Meter hoch springen. Sie sind derart groß, dass sie beim Mäuse fangen beobachtet werden. Eine Besonderheit ist, dass diese riesigen Hühner bei Gefahr nicht fliehen, sondern dem Feind entgegen sehen. Die Legeleistung liegt bei rund 140 Eiern mit einem Gewicht um 55 Gramm pro Jahr. Die Hennen erreichen 3 bis 4,5 Kilogramm, die Hähne 3,5 bis 5 Kilogramm. Bei dieser Körpergröße sind sie als reine Legehühner nicht wirtschaftlich, aber schön anzusehen. Mit diesem Gewicht wären sie gute Fleischhühner, wenn ihre Küken etwas frohwüchsiger wären. Brahma Hühner sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht die beste Wahl, legen aber im Winter. Die Hennen brüten gerne und zuverlässig. Diese Riesenhühner sind friedlich, robust, haben jedoch Federfüße und profitieren von einem trockenem Grund. Der Halter soll auf eine stressfreie Umgebung achten. Bei einem Schock können diese friedlichen Riesen leider wegen Herzstillstand tot umkippen.

 

Die Eckpunkte:

Rheinländer Hennen

1,7 bis 2,5 Kilogramm, 180 Eier mit 55 Gramm – Jahres-Eigewicht 9,9 Kilogramm

Sundheimer Hennen

2 bis 2,5 Kilogramm, 220 Eier mit 55 Gramm – Jahres-Eigewicht 12,1 Kilogramm

Ramelsloher Hennen

2 bis 2,5 Kilogramm, 170 Eier mit 55 Gramm – Jahres-Eigewicht 9,35 Kilogramm

Welsumer Hennen

2 bis 2,5 Kilogramm, 160 Eier mit 70 Gramm – Jahres-Eigewicht 11,2 Kilogramm – legen im Winter weniger intensiv

Plymouth Rock

Hennen 2,5 bis 3 Kilogramm, 180 Eier mit 55 Gramm – Jahres-Eigewicht 9,9 Kilogramm

Deutsches Lachshuhn Henne

2,5 bis 3,25 Kilogramm, 160 Eier mit 60 Gramm – Jahres-Eigewicht 9,6 Kilogramm, schmackhaft und sehr leicht zu rupfen

Orpington Hennen

3 bis 3,5 Kilogramm, 180 Eier mit 53 Gramm – Jahres-Eigewicht 9,54 Kilogramm

Brahma Hennen

3 bis 4,5 Kilogramm, 140 Eier mit 55 Gramm – Jahres-Eigewicht 7,7 Kilogramm

 

Winterleger – abschließend

 

Wie im Allgemeinen, so gibt es auch bei den Winterlegern große Unterschiede. Der angehende Hühnerhalter sollte also genau überlegen, welche Hühnerrasse für ihn die richtige ist. Alternativ zu diesen gefestigten und teils stark gefährdeten Rassen gibt auch Hybridrassen, die durch eine besonders gute Leistung glänzen. Wer alte Hühnerrassen fördern möchte, der verzichtet auf Turbo-Hybriden. Es wird weitere Haushuhnrassen geben, die im Winter legen. Teils legen aber nur einige Zuchtstämme der jeweiligen Rasse gut im Winter.

Hühner können ohne Hahn gehalten werden, der möglicherweise ständig laut krähen würde. Wer doch einen Hahn wünscht, der sollte wenigstens vier Hühner halten. Da Hähne einiger Rassen untereinander bis zum Tod kämpfen, dürfen mehrere Hähne nur mit genug Abstand zueinander und mit genügend Hennen gehalten werden. Auch dann wären nur friedliche Rassen zu wählen. Wenn die Hähne sich ab Kükenalter kennen, verstehen sie sich in der Regel besser und können deswegen zusammen als Bruderhähne gemästet werden.

Diese Liste von acht Winterlegern fängt bei mittlerem Gewicht an. Die Legeleistung der Großrassen und verzwergten Rassen unterscheidet sich natürlich. Verzwergte Rassen der Winterleger stellen ihre Legetätigkeit in der kalten Jahreszeit weitgehend ein. Die Hühner zehren immerhin aus ihrer Masse, von der Zwerghühner wenig haben. Die hier gelisteten Winterleger bringen auch deswegen mittleres bis hohes Körpergewicht mit. Ohne gute Haltungsbedingungen und passende Fütterung wird die Legeleistung aller Legehühner leiden. Der angehende Hühnerhalter kann sich hierinformieren, wie sein Hühnerstall aussehen soll. Gerade im Winter, wenn die Tiere weniger nach draußen gehen, ist es sehr wichtig, dass die Stallung vor Nässe und Zugluft schützt. Hühner mit kleinem Kamm neigen weniger zu Erfrierungen, Tiere mit Federfüßen sollen trockenen und sauberen Grund haben. Darauf wäre beim Hühnerstall und Freilauf zu achten. Die Stallung muss zudem vor Mardern, Füchsen oder Schadnagern schützen und den Bedürfnissen der Hühner gerecht werden.

 

Robert Brungert

 

Fotos von oben nach unten: © Nana Rimprecht; SPZ 02 Superbass CC BY-SA 4.0; Foto: Thomas Kriese, Wikipedia, CC BY-SA 4.0; Foto: © Melani Nolte; Wikipedia, CC BY-SA 4.0; Foto: meineresterampe/ Pixabay