Hühnerrassen für Selbstversorger

Die hier beschriebenen Hühner gelten als robust und friedlich. Es gibt jedoch auch ein paar Ausnahmen. Weiße Ramelsloher Hähne können dem Menschen gegenüber aggressiv werden. Dorking-Küken neigen dazu etwas empfindlicher zu sein. Küken sollten grundsätzlich erst einmal mit oder ohne Henne geschützt aufgezogen werden, bis sie sich gut befiedert haben.

Bei einigen Hühnerrassen kann die Kälte im Winter zu einem Problem werden. Während beispielsweise die Zwerg-Wyandotten Rosenkämme haben, die nicht zur Erfrierung neigen, kann dies bei Rassen mit großen Kämmen schon ganz anders aussehen. Um dem Erfrieren des Kamms entgegenzuwirken, kann er mit säurefreier Vaseline eingerieben werden. Die Hühner sollten außerdem bei zu frostigen Temperaturen im Stall bleiben.

 

Westfälische Totleger – reine Legehühner

 

Der Name dieser Rasse geht nicht auf den „Tot“, sondern auf das Plattdeutsche zurück und soll „Dauerleger“ bedeuten. Diese leicht zu haltende Rasse existiert seit über 400 Jahren und fand ihr Kerngebiet im Raum von Herford und Bielefeld. Der Westfälische Totleger wird von der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.) 2018 in der „Vornwarnstufe“ geführt. Die Dauerleger kommen auf rund 200 weiße Eier im Jahr, die mit 50 bis 65 Gramm genügend schwer sind. Westfälische Totleger legen im Winter keine Eier und werden je nach Haltungsbedingung gar nicht oder nur gelegentlich brütig. Fangen sie doch an zu brüten, sind die Hennen allerdings sehr erfolgreiche Glucken. Wer es auf eine Naturbrut absieht, sollte seine Haltungsbedingungen deshalb nicht auf Leistung auslegen.

Die Hähne kommen auf mehr als zwei und die Hennen auf knapp zwei Kilogramm. Westfälische Totleger erscheinen im Landhuhn-Schlag. Sie benötigen viel Auslauf und können dabei weite Strecken zurücklegen, wenn sie nicht eingezäunt sind. Diese sollten jedoch natürlich nicht an Schnellstraßen oder Fuchsbauten vorbeiführen. Die Hühner sind mit Gold oder Silber auf schwarzem Grund gesprenkelt.

 

Westfälischer Totleger © by --Xokolatl, Wikimedia Commons CC0

 

Vorwerkhühner – Zwiehühner

 

Das Vorwerkhuhn wurde um 1902 erzüchtet und wird seit 1912 beziehungsweise ab 1919 in Deutschland als Rasse anerkannt. Vorwerkhühner können sowohl als Tafelhuhn als auch als Legehuhn dienen. Im ersten vollen Legejahr kann man mehr als 150 cremefarbene Eier erwarten. Diese kommen auf rund 50 bis 60 Gramm. Die Hähne erreichen knapp drei Kilo, die Hennen knappe 2,5 Kilo. Die Küken wachsen schnell und sind robust. Vorwerkhühner benötigen neben dem Hühnerstall noch zusätzlich etwas Auslauf. Viel von ihrem Futter suchen sie sich selber. Außerdem werden sie nicht häufig brütig. Die Vorwerkhühner haben einen sattgelben Körper mit schwarzem Kopf, Hals und Schwanz. Sie erscheinen im Landhuhn-Schlag. Die GEH führt sie 2018 in der „Vornwarnstufe“.

 

Bild: Vorwerkhennen © Judith Handy, PROVIEH e.V.

 

Ramelsloher – Zwiehühner – Winterleger

 

Vom Gewicht und auch sonst sind die Ramelsloher den Vorwerkhühnern sehr ähnlich. Sie legen allerdings auch im Winter und sind damit besonders interessant. Es gibt weiße und gelbe Ramelsloher. Bei ihnen handelt es sich ebenfalls um wetterbeständige Landhühner, die sich einen möglichst großen Auslauf wünschen, dann aber auch viel Futter selber suchen. Die Hennen können bei passender Pflege sehr zahm werden. Ramelsloher wurden ab 1870 in Ramelsloh gezüchtet und bereits 1874 anerkannt. Die GEH führt die Ramelsloher 2018 als „stark gefährdet“. 

Wer auch im Winter gerne Eier isst, der würde also Ramelsloher und nicht Vorwerkhühner wählen. Wer bei diesen beiden Rassen den Auslauf einschränkt, braucht für erwachsene Hühner einen mittelhohen Zaun, für Jungvögel jedoch einen hohen Zaun.

 

Cochin – schwere Zwiehühner

Wer sich richtig schwere Hühner wünscht und weniger auf die Legeleistung achtet, der wird mit Cochin-Hühnern viel Freude haben. Es handelt sich um eine breite, kugelige Hühnerrasse, die seit 1842 in England bekannt ist und auch in anderen europäische Ländern entdeckt wurde. Die Ahnen gehen auf schwere asiatische Schläge zurück, Cochin haben ihren Ursprung in Vietnam. Die Hähne können etwas mehr als fünf, die Hennen etwas mehr als vier Kilogramm erreichen. Im ersten Legejahr kann man rund 120 bräunliche Eier erwarten. Die Eier sind ca. 55 Gramm schwer. Cochin haben Federfüße, der Auslauf sollte also nicht zu schlammig sein. Es gibt diese Hühner in mehreren Farbschlägen, sie glucken sehr gut. Diese schweren Hühner können praktisch nicht fliegen. Die Sitzstange im Hühnerstall muss damit auch weit nach unten gehangen werden. Der ganze Hühnerstall muss den großen Hühnern angepasst sein. Sie brauchen keinen großen Auslauf, dafür aber viel Futter.

 

Bild: Cochin-Henne © huehner-hof.com

 

Dorking – eine Fleischrasse

Auch wenn Dorking-Hennen im ersten vollen Legejahr auf rund 140 weiße Eier mit jeweils rund 55 Gramm kommen, gelten Dorkings als Fleischrasse. Hähne erreichen mehr als vier und Hennen mehr als drei Kilo. Somit sind sie leichter als Cochins. Dorkings haben jedoch frohwüchsige Küken. Wegen dieser Küken gelten die kräftigen Dorking-Hühner als eine Fleischrasse. Auch wenn Dorkings gerne Futter suchen, sollten auch die adulten Tiere gefüttert werden.

Diese Hühnerrasse ist ab ca. Christi Geburt und erneut ab den Zeiten der britischen Königin Victoria bekannt. Die Hühner sind sehr leicht zu halten, brüten gerne und fliegen wenig. Ein Zaun mit 1,5 Metern Höhe wird zur Eingrenzung reichen, der Freilauf sollte wenigstens von mittlerer Größe sein. Es handelt sich unter den Hühnerrassen sozusagen um das Gegenstück zum Westfälischen Totleger: Uralte Rasse mit sehr guter Leistung.

 

Bild: Dorking Hahn © by_3268zauber_CC BY-SA 3.0 , Wikipedia

 

Zwerg-Sundheimer - Winterleger

 

Wer nur wenig Platz hat und sich im Winter frische Eier wünscht, kann sich die Zwerg-Sundheimer zulegen. Hähne kommen auf etwas über ein Kilo, Hennen erreichen ein Kilo. Sie legen rund 160 bräunliche Eier im ersten vollen Legejahr, die rund 45 Gramm wiegen. Die Zwerg-Sundheimer haben Federfüße, weshalb auch hier der Auslauf nicht zu schlammig werden sollte. Die Tiere brauchen im Stall, aber auch außerhalb davon weniger Platz als die meisten Großrassen. Wer gelegentlich ein Tafelhuhn braucht, kann selbst mit einem kräftigen Zwerghahn etwas Hühnerfleisch auf den Tisch zaubern. Wenn Sundheimer ab 1850 erzüchtet wurden, so folgten die Zwerg-Sundheimer um das Jahr 1920.

 

 

Bild: Sundheimer Hühner © Nana Rimbrecht

 

Zwerg-Wyandotten – viele Farbschläge

 

Wenn nicht viel Platz vorhanden ist und das Aussehen des Huhns für den Selbstversorger wichtig ist, dann kann dieser bei Zwerg-Wyandotten mit rund 30 Farbschlägen aus dem Vollen schöpfen. Diese Zwerghühner sind sehr beliebt und werden sehr gerne gezüchtet. Die Hähne sind etwas über ein Kilo schwer, die Hennen kommen auf rund ein Kilo. Sie legen im ersten Legejahr rund 180 bräunliche Eier mit jeweils ca. 40 Gramm. Die Zwerg-Wyandotten sind regelrecht brutwütig und brüten bei Bedarf auch ein paar Eier anderer Hühner mit aus. Sie fliegen kaum, sind sehr friedlich und suchen gerne ihr eigenes Futter. Auch hier kann das ein oder andere Hähnchen noch als Tafelhuhn „verwertet“ werden. Zwerg-Wyandotten sind bereits seit ca. 1900 in den USA bekannt.

 

 

Bild: Zwerg-Wyandotten ©huehner-hof.com

 

Robert Brungert 

Weitere Informationen zu einzelnen Rassen finden Sie auf unserer Website oder auch unter https://www.huehner-hof.com/bereich/rassen/