Mobile Hühnerställe – Pros und Contras

Wenn es zu viele Hühner auf der Fläche sind

Kommerzielle Hühnerzuchten müssen mit tausenden Legehennen arbeiten und diese nach kurzer Zeit austauschen, da die Legeleistung abnimmt. Sie müssen das machen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Um den gröbsten Auswüchsen der Tierhaltung entgegen zu wirken, gibt es rechtliche oder auch selbstauferlegte Auflagen. Wer Eier aus Bodenhaltung oder Bio-Haltung produzieren möchte, der muss Auflagen einhalten, kann jedoch mehr Geld nehmen. Alle anderen, die ebenfalls diesen besser bezahlten Status erhalten wollen, müssen ebenfalls diese Auflagen einhalten, es entsteht Chancengleichheit.

Die Bio-Auflagen werden jedoch großzügig ausgelegt oder auch halbherzig beachtet. Lieber lässt man es auf eine Klage ankommen, die im Ernstfall häufig sogar billiger kommt, als wirklich gewissenhaft Auflagen zu erfüllen. Um das Tierwohl geht es vielen dabei nicht, sondern um das Image und den höheren Status für den Verkauf.

Beispiel: Die EU-Öko-Verordnung sieht bis maximal 3000 Bio-Legehennen pro Stallbucht vor. Für Bio-Eier mit der 0 im Eiercode sind pro Henne mindestens vier m² Auslauf vorgeschrieben. Das ist eine Fläche von 100x120 Metern. Wenn pro Tier und pro Woche 1m² kahl gefressen wird und die Tiere die nächst gelegenen Grashalme zupfen, dann wird sich zur Hühnerklappe eine kahle Stelle bilden. Bei Regen wird diese versumpfen, Schlamm mit Kotresten bleibt an den Füßen und dem Gefieder hängen. Die Keimdichte kann explodieren, die Hühner können schneller krank werden oder mehr Medikamente benötigen.

Der Hühnerstall müsste also langgestreckt sein und mehrere Hühnerklappen haben. Sechs Hennen pro m² sind zugelassen. 500 m² Stallfläche für die Hennen würden bereits genügen. Lang gestreckte Ställe sind teurer, möglich wäre es dennoch.

Der mobile Hühnerstall

Mobile Hühnerställe können mit geringerer Grundfläche keine 3000 Hennen beherbergen. Es wären eher einige hundert. Zudem würde man sie ständig versetzen. Wenn z.B. anstelle von 3000 Hennen nur 300 im mobilen Hühnerstall unterkommen, dann würde ein Auslauf mit 1200 m² genügen. Das wären 30 x 40 Meter. Das sind Entfernungen, die selbst faule Legehennen gerne für ein paar Grashalme zurück legen. Jedoch müsste solch eine Fläche entsprechend zur Hühnerrasse genügend hoch eingezäunt sein. Weiterhin wäre diese Fläche nach einiger Zeit abgeweidet, der mobile Hühnerstall müsste wieder versetzt werden. Der schlimmste Nachteil wäre jedoch, dass die Eier täglich von vielen verschiedenen mobilen Hühnerställen eingesammelt werden müssten. Zudem müsste man gelegentlich mit dem Futter- und Wasserwagen umherfahren, um die Tanks im mobilen Hühnerstall wieder zu füllen. Das ginge erst, wenn die Hühner alle im Stall sind, damit sie beim Öffnen der Weidefläche nicht fort laufen. Besser wäre, der mobile Hühnerstall würde direkt am Zaun stehen, um von hier die Eier entnehmen und die Vorratstanks füllen zu können.

Es müsste aber auch genug eingezäunte Weiden geben. Am einfachsten wäre es, die Parzellen einmal abzustecken und zur vom Hühnerwagen entferntesten Stelle noch ein paar Obstbäume zu setzen, die Schutz vor Greifvögeln bieten. Es müsste zwischen den Parzellen einen genügend breiten Versorgungsweg geben, der mehr oder weniger ungenutzt bliebe. Wenn jedoch die Arbeitszeit das teuerste Gut ist, dann ließe die „Platzverschwendung“ sich verschmerzen.

Es müsste also eine große Fläche in viele Parzellen unterteilt werden, durch die Wege verlaufen, um die mobilen Hühnerställe versetzen und auch leeren und befüllen zu können. Alternativ könnten gezielt kleine Flächen genutzt werden, die für den Pflug und Drescher unwirtschaftlich sind.

Zumindest hätten die Hühner ihren Auslauf, ihren Hühnerstall, ihr Wasser und Futter sowie es kleinere Bestände wären. Es wird nicht alles zu den Hühnerklappen abgeweidet und bei Regen zu Schlamm, wobei die entfernteren Stellen ungenutzt blieben. Die Hühner kämen wirklich zu ihrem Auslauf.

Das alles wären die Pros für den mobilen Hühnerstall. Die Contras lauten lediglich, dass es ein Mehraufwand ist, womit man nicht konkurrenzfähig wäre.

Fazit

Wenn eine Bio-Legehenne vier m² Auslauf haben muss, damit sie Bio-Eier legt, dann geht das nur mit kleinen Tierbeständen. Faule Legehennen laufen keine weiten Strecken sowie sich zur Hühnerklappe bei Regen ein Schlammbad mit Keimen bildet. Werden mehr Medikamente benötigt, ist das nicht der Sinn von Bio. Teils wird sogar mit Stromdrähten der Ausgang ins Freie behindert, damit die Tiere lukrativer genutzt werden können, das ist ebenfalls nicht der Bio-Gedanke.

Mobile Hühnerställe müssen möglichst wirtschaftlich sein. Es müsste ein Konzept geben, welches in Serie gefertigt wird, sich gut warten und reinigen lässt und bei der Entnahme der Eier und dem Füllen der Vorratstanks wenig Arbeit verursacht. Am einfachsten wäre es, wenn der mobile Hühnerstall breiter als das Fahrgestell ist und mit Stelzen aufgebockt wird. Das Fahrgestell müsste den mobilen Hühnerstall lediglich mit einer Hydraulikpumpe anheben, womit die Stelzen gesenkt werden. Solange diese mit breitem Fuß stabil aufstehen (oder einmalig passende Betonplatten gelegt werden), kann das Fahrgestell frei bewegt werden. Damit braucht es das teure Fahrgestell nur einmal. Zudem lässt man eine Verkleidung herunter, mit der die Hühner unter dem mobilen Hühnerstall Schatten und Schutz finden. Der mobile Hühnerstall müsste damit innerhalb der Einzäunung stehen. Diese kann deswegen so aufgebaut werden, dass ein Abschnitt leicht abgebaut werden kann, um den mobilen Hühnerstall einzupassen. An den entscheidenden Stellen zur Entnahme der Eier oder zum Befüllen der Vorratstanks müsste der Zaun entsprechende Auslassungen haben.

Wer lieber größere Flächen einzäunt, der würde eben mehrere mobile Hühnerställe in einer Fläche an den Zaun setzen. Damit die Hühner sich nicht neu aneinander gewöhnen müssen, wären die gleichen mobilen Hühnerställe immer wieder zusammen um zu setzen. So könnten Weiden mit vielleicht 4000 m² für 1000 Legehennen mit 80 x 50 Meter in eins genutzt werden, die Kosten für Einzäunungen würden sinken. Wären die mobilen Hühnerställe zu den Kopfenden zu leeren, könnten sie längs in die Fläche rein ragen, die Hühnerklappen wären zum anderen Ende. Schmale Versorgungswege blieben möglich, wenn einfach ein Zaunabschnitt entnommen wird, um auf der Hühnerweide zu rangieren.

Um es zu erwähnen: Wenn die Hühner die Flächen zu schnell abgrasen und die mobilen Hühnerställe nicht so oft versetzt werden sollen, können die Flächen auch größer bemessen sein, solange die entfernteste Stelle nicht zu weit vom mobilen Hühnerstall entfernt liegt und eine schattige sowie schützende Stelle hat. Weiterhin darf die Fläche zum mobilen Hühnerstall nicht versumpfen. Im „kommerziellen Betrieb“ wäre eine zu schnell abgegraste Fläche jedoch der einzige Grund, den Hühnern mehr als die gesetzlich zugesicherte Fläche einzuräumen.

Es gibt bereits einige mobile Hühnerställe, die sehr gut funktionieren. Diese werden teils auch für die Mast eingesetzt. Sollen Bio-Eier wirklich Bio sein, dann müssen die Bestände ohnehin klein sein. Kleine Hühnerställe sind ebenfalls mit höherem Aufwand behaftet, weswegen mobile Hühnerställe dann eine echte Alternative wären.

 

Robert Brungert

PS: Wer den kommerziellen Hühnerhaltern nicht mehr traut und im Garten lieber eigene Hühner hält, die immer frisches Grün finden sollen, der kann sie frei laufen lassen, oder einen kleinen mobilen Hühnerstall erstehen. Wer den Hühnern eine Fläche einzäunt, der investiert entweder viel für den Zaun oder hat nur eine kleine abgeweidete und damit nackte Bodenfläche. 

Foto: © Robert Brungert